Der profeministische Männerrundbrief gibt auf

Wir haben im Zusammenhang mit dem Ende der linksradikalen Männergruppenszene das Erscheinen des Männerrundbriefs eingestellt. Schade. Im Männerrundbrief sind u.a. die Sexismus-Diskussionen der letzten 10 Jahre enthalten.

Schade. Die Camps in diesem Sommer mit ihren sexistischen Übergriffen (in Straßbourg und Jena) haben deutlich gemacht, weshalb in den 70ern bis weit in die 90er hinein sich Männergruppen mit antisexistischen Anspruch bildeten. Heute gibt es solche Gruppen nicht mehr (siehe Artikel „Zum Verschwinden der antisexistischen Männergruppenszene“). Und damit macht auch die Fortführung des profeministischen Männerrundbriefs keinen Sinn mehr. Wenngleich – the future is unwritten – absehbar ist, dass irgendwann eine ähnliche Diskussionsplattform entstehen wird. Schließlich hat sich an den gewalttätigen patriarchalen Verhältnissen in dieser Gesellschaft nicht viel geändert.

Als Redaktion sind wir über diese Entwicklung nicht gerade glücklich. Vor einigen Jahren hatte bereits die hamburger Redaktion aufgegeben. Nun ist es endgültig vorbei. Dennoch wäre eine Diskussionsplattform wichtig, denn bereits Ende der 80er gab es ein Papier aus Bielefeld, in dem sich die AutorInnen darüber beschwerten, dass in „Sexismusdiskussionen“ immer alles von Anfang an „durchgedibbert“ werden muss, als hätte es vorher nie Auseinandersetzungen zu diesem Thema gegeben.

Indem wir den Männerrundbrief einstellen, verschwinden auch die alten Ausgaben in die Dunkelheit. Es wäre nicht gut, wenn diese Ausgaben im Keller eines einzigen Infoladens verrotten. Schließlich ist der Männerrundbrief nicht irgendeine Zeitung gewesen, sondern das Dokumentations- und Diskussionsblatt eines wichtigen Teiles der linksradikalen Szene. Wer noch einige Ausgaben haben möchte, kann sie bei uns bestellen (zur „Fußballdiskussion“ beispielsweise, die gerade auf indymedia läuft, gab es da auch Artikel).

Schwarze Feder
19.09.2002

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